Ursachen, Symptome und Behandlung bei Nesselsucht

09 Jul 2017
Ursachen, Symptome und Behandlung bei Nesselsucht

Als Nesselsucht wird eine Überempfindlichkeitsreaktion der Haut bezeichnet. Dabei leiden die Betroffenen unter Quaddelbildung, starkem Juckreiz und Hautrötungen.

Mediziner nennen die Nesselsucht auch Nesselfieber oder Urtikaria. Sie kann sowohl einen akuten als auch einen chronischen Verlauf nehmen. Nicht immer lässt sich eine konkrete Ursache für die Nesselsucht finden.

Zusammen mit Schuppenflechte (Psoriasis) und Neurodermitis gehört das Nesselfieber zu den am häufigsten in Europa vorkommenden Hauterkrankungen. Allein in Deutschland leiden schätzungsweise 800.000 Bundesbürger unter Urtikaria.

Ursachen und Symptome

Auslöser der Beschwerden, die bei einer Nesselsucht auftreten, ist der entzündungsfördernde Botenstoff Histamin. Seine Freisetzung im Körper erfolgt durch falsche Reaktionen des menschlichen Abwehrsystems.

Dadurch, dass sich der Botenstoff an spezielle Histamin-Rezeptoren bindet, die sich an der Oberfläche von Blutgefäßen befinden, kommt es zur Erweiterung dieser Gefäße. Dies hat eine höhere Durchlässigkeit der Gefäßwände zur Folge. Im weiteren Verlauf entstehen Wasseransammlungen, die sich an der Oberfläche der Haut hervorwölben (Quaddeln).

Aus welchen Gründen sich das Histamin freisetzt, ist unterschiedlich. Bei etwa 10 Prozent aller Patienten wird dieser Vorgang durch eine Allergie ausgelöst, die zumeist durch die Einnahme von bestimmten Medikamenten oder Nahrungsmitteln hervorgerufen wird. Eine akute spontane Nesselsucht wird bei den meisten Menschen durch eine akute Infektion hervorgerufen. Dies kann ein viraler Infekt in den Atemwegen oder im Magen-Darm-Bereich sein.

Zu einer chronischen spontanen Urtikaria kommt es zumeist durch bakterielle Infektionen, die wiederholt auftreten oder chronisch verlaufen. Dabei kann es sich um eine Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung), eine entzündete Zahnwurzel oder eine Tonsillitis (Mandelentzündung) handeln.

Mitunter sind aber auch äußere Reize für das Auftreten einer Nesselsucht verantwortlich. Dazu gehören Reibung, Druck, Licht sowie Wärme und Kälte. Sogar psychische Faktoren können Auswirkungen auf die Nesselsucht haben. Dies gilt besonders für Stress.

Bemerkbar macht sich die Nesselsucht durch typische Symptome. So leiden die betroffenen Personen unter einem roten Ausschlag auf der Haut, der erheblichen Juckreiz verursacht. Der Juckreiz kann derart intensiv verlaufen, dass die Konzentration der Patienten erheblich gestört wird. Infolgedessen kommt es auch zu Schlafproblemen.

Kneifen sich die Patienten oder verursachen Druck mit ihrem Fingernagel, kann der Juckreiz etwas nachlassen.

Als weiteres typisches Symptom gilt die Bildung von Quaddeln. In den meisten Fällen zeigen sich die Quaddeln nur an bestimmten Körperbereichen. Es ist aber ebenso möglich, dass sie am gesamten Körper vorkommen. Außerdem können die Quaddeln an einer Körperstelle verschwinden und plötzlich an einer anderen Region auftreten.

Im Verlauf der Urtikaria ist die Bildung von Angioödemen möglich. Dabei handelt es sich um Schwellungen und Einlagerungen von Wasser im Unterhautfettgewebe. Besonders bedenklich ist die Bildung von Schwellungen an den Schleimhäuten von Mund- und Rachenraum. So kann dies zu lebensgefährlichen Atembeschwerden führen.
In den meisten Fällen bilden sich die Symptome nach einigen Stunden wieder zurück. Nach einer kurzen Pause können sie sich jedoch erneut zeigen. Ansteckend ist die Nesselsucht nicht.

Arten der Nesselsucht

Mediziner teilen die Nesselsucht in mehrere unterschiedliche Formen ein. So gibt es:

    • die spontane Nesselsucht, die sowohl akut als auch chronisch verlaufen kann,
    • und die physikalische Nesselsucht, die durch äußere Reize wie Wärme oder Kälte hervorgerufen wird.
    • Als Sonderform gilt die cholinergische Nesselsucht. Sie entsteht durch einen Anstieg der Körpertemperatur. Allerdings sind ihre Symptome nur schwach ausgeprägt.
    • Eine weitere Form stellt die Kontakt-Nesselsucht dar. Sie wird durch eine direkte Berührung mit dem Krankheitsauslöser hervorgerufen. Meist handelt es sich dabei um Latex.

Behandlungsmöglichkeiten und Medikamente gegen Nesselsucht

Die Therapie der Nesselsucht setzt sich aus zwei Vorgehensweisen zusammen. So ist es wichtig, dass:

    • der Patient nicht in Kontakt mit dem Stoff gerät, der die Erkrankung auslöst. Dieser muss im Rahmen der Diagnose ermittelt werden. Allerdings ist es oft schwierig, den verursachenden Stoff zu meiden, selbst wenn er entdeckt wird. So können zahlreiche Auslöser in der Umwelt vorkommen. Im Falle einer Nahrungsmittelunverträglichkeit lässt sich mit einer speziellen Diät Abhilfe schaffen.
    • Der zweite Teil der Behandlung besteht aus der Gabe von Medikamenten. Zur Linderung von akuten Beschwerden werden Glukokortikoide und Antihistaminika verabreicht. Wird die Urtikaria von Bakterien ausgelöst, erhält der Patient Antibiotika. Mitunter können auch Immunsuppressiva zur Anwendung kommen. Darüber hinaus gibt es einige Salben, die Antihistaminika oder Menthol enthalten und lokal eingesetzt werden, um den Juckreiz zu bekämpfen.

Nesselsucht bei Kindern und während der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft gehen die Symptome des Nesselfiebers oftmals zurück. Grund dafür ist die Dämpfung des Immunsystems in diesem Zeitraum. Bei einigen Schwangeren zeigt sich jedoch eine Verschlechterung. Da es im Verlauf der Schwangerschaft zu erheblichen hormonellen Veränderungen kommt, ist es möglich, dass eine Nesselsucht zum ersten Mal auftritt. Bei einer ausgeprägten Urtikaria während der Schwangerschaft ist die Behandlung etwas komplizierter, da nur bestimmte Medikamente verabreicht werden dürfen, die für das Baby kein Risiko darstellen.

Die Nesselsucht kann sich bereits im Kindesalter zeigen, was allerdings eher selten der Fall ist. Die Beschwerden äußern sich dabei auf dieselbe Weise. So leiden die Kinder unter Juckreiz und Quaddelbildung.

Babys und Kleinkinder müssen jedoch nur wenige Tage unter der Erkrankung leiden. Meist sind eine zuvor ausgebrochene Viruserkrankung oder allergische Reaktionen auf spezielle Medikamente oder Nahrungsmittel für die Urtikaria verantwortlich. Verschwinden die Beschwerden nach einigen Tagen nicht von selbst wieder, ist eine ärztliche Behandlung notwendig und es werden dann ebenfalls Medikamente oder Antihistaminika verabreicht.

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