Pränataldiagnostik, Ersttrimester Screenning – was wird wie untersucht und was kann festgestellt werden

12 Jan 2017
Pränataldiagnostik, Ersttrimester Screenning – was wird wie untersucht und was kann festgestellt werden

Schwangeren Frauen ist es möglich, sich im ersten Trimester der Schwangerschaft, also innerhalb der 12. bis 14. Schwangerschaftswoche, einem Screening zu unterziehen, um eine Chromosomenveränderung, die ein Hinweis auf Trisomie 21 (Down Syndrom) sein kann, bestimmen zu lassen.

Ein hoher Prozentanteil der Schwangeren entscheidet sich für diese Untersuchung, da sie nicht-invasiv durchgeführt wird und dadurch weniger Gefahr für das Ungeborene darstellt als eine Fruchtwasseruntersuchung, die mittels Punktion geschieht und im schlimmsten Fall die Ursache für eine Fehlgeburt sein kann.

Eine genaue Aufklärung der Schwangeren über die Möglichkeiten und Grenzen der Pränataldiagnostik sind allerdings unerlässlich, da beim Ersttrimester Screening lediglich die Wahrscheinlichkeit einer Fehlbildung errechnet wird und keine 100%ige Sicherheit gegeben ist.

Wie wird das Screening durchgeführt?

Maßgebend für die Berechnung der Wahrscheinlichkeit sind jene Daten, die sich aus den nicht-invasiven Methoden wie Ultraschall, der kindlichen Scheitel-Steiß-Länge und der Nackenfalte ergeben. Diese werden mit dem Alter der Mutter und den Laborwerten zusammengeführt, sodass eine möglichst exakte Wahrscheinlichkeit gestellt werden kann. Sobald das Ergebnis vorliegt, können weitere Untersuchungen (wie z.B. die Fruchtwasseruntersuchung) durchgeführt werden, um Unklarheiten zu beseitigen oder das Risiko besser abzuschätzen.

Die Zuverlässigkeit der Pränataldiagnostik

Die Schwangere sollte der Pränataldiagnostik durchaus kritisch gegenüberstehen und sich im Vorfeld genau informieren, welche Möglichkeiten ihr offen stehen und auch überlegen, welche Auswirkungen eine auffällige Wahrscheinlichkeit für sie und das ungeborene Kind haben. Gynäkologen sind dazu verpflichtet, die Schwangeren über die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik aufzuklären, aber auch über deren Grenzen und möglichen Konsequenzen. Das Screening stellt nur eine Risikoeinschätzung dar, die keine 100%ige Sicherheit geben kann. Oft liegen zwischen dem Ergebnis und der Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch nur wenige Tage, die die Schwangere in die missliche Lage bringen, über Leben und Tod zu entscheiden.

Kritik und Grenzen am Ersttrimester Screenning

Der Wunsch vieler Eltern nach einem gesunden Kind ist nachvollziehbar, doch es muss jedem klar sein, dass es kein Recht auf ein gesundes Kind gibt. Einen Fötus aufgrund einer möglichen Missbildung zu töten, ist ethisch stark umstritten, da behinderten Menschen ihre Existenzberechtigung abgesprochen wird. Sollte ein erhöhtes Risiko für ein behindertes Kind vorliegen, muss die Schwangere darüber aufgeklärt werden, dass das Ersttrimester Screening keine Auskunft über die Art oder Schwere der Behinderung geben kann.

Statt als einzige Alternative den Schwangerschaftsabbruch vorzuschlagen, sollte auch beraten werden, welche Möglichkeiten es für das Leben mit einem behinderten Kind gibt. Denn selbst wenn während der Schwangerschaft eine Fehlbildung ausgeschlossen werden kann, so ist es kein Garant dafür, dass das Kind nicht bei der Geburt einen Schaden davon trägt oder erst im Laufe des Lebens. In diesem Fall würde sich wohl kaum jemand für eine bewusste Tötung aussprechen.

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